FreshPop Festival 22

Ein neues Festival-Format wird euch auf der Stadthallen-Bühne präsentiert, FreshPop, Popmusik aus Deutschland, abseits der Mainstreampfade, immer spannend und aufregend. Für die Premiere konnten wir The Screenshots aus Köln, Die Kerzen aus Ludwigslust/Mecklenburg-Vorpommern und als Lokalhelden Girlwoman aus Bielefeld auf unsere Bühne holen.


GIRLWOMAN

Wir befinden uns in einem Club in einer Stadt, die es nicht gibt. Analoge Synthesizer pulsieren zur Rhythmusmaschine in den unendlichen Weiten der Nacht. Eine markante Stimme singt von Roten Riesen und weißen Pillen. Willkommen in der surrealen Welt von GIRLWOMAN!
Girlwoman veröffentlichte ihre erste Single „Rote Riesen schlafen nicht“ im Mai 2020 auf dem Label Staatsakt. Ganz zu Beginn der Pandemie, als viele andere Veröffentlichungen verschoben, entschloss sich Staatsakt für einen anderen Weg und veröffentlichte diesen ersten dunklen aber vor allem sanften Track, der sofort auf große Resonanz in Streaming und Radio stieß.
Im Oktober erschien die zweite Indie-Trap-Pop Single „Tick Tack Trauma“. Gemischt wurde diese in Frankreich von Veronica Ferraro (u.a. Marteria, Seed, Frida Gold, P!nk,David Guetta…), die auch mit an dem für 2021 angekündigten Album arbeiten wird.
Mit ihrem Song „Rote Riesen schlafen nicht“ landete Girlwoman auf Platz 6 der Spiegel Jahrescharts (national).
 

Die Kerzen

Die Kerzen – namentlich Felix Keiler, Jelena von Eisenhart Rothe, Fabian Rose und Lucas Wojatschke - haben das goldene Popjahrzehnt aus Gründen später Geburt nicht miterlebt. Sie kennen die besagten Styles aus Second-Hand-Läden und dem Internet.
Doch Die Kerzen sind beherzte Spürnasen und versierte Pop-Autodidakten. Sie kennen Bananarama eben nicht nur als Stock, Aitken & Waterman-Produkt, sondern bereits als Background-Sängerinnen aus Terry Halls Fun Boy Three. Sie haben die Popgeschichte von der Jukebox bis in die Cloud in sich aufgesogen in der Mecklenburgischen Diaspora, in der es über viele Jahre außer Kneipenabstürzen in Peters Pub und Filmen mit Al Pacino keine nennenswerten kulturellen Alternativen gab: Hits schreiben statt Abfrusten!
Lucas, Felix und Fabian machen schon seit Kindheitstagen gemeinsam Musik. Als Jelena Baden-Würtenberg verließ und die vorpommer’sche Tristesse zum Zielort ihres Exils wählte, traf sie - mit Querflöte - auf die drei anderen. Das markiert den Beginn der Gruppe Die Kerzen.
„Blue Jeans“ heißt ihr lässig zurückgelehnter Album-Opener, der der Hose der Halbstarken ein slickes Ständchen widmet. Was Die Kerzen neben ihrem komplett selbst-produzierten, funky New-Wave-Pop-Update auszeichnet, sind ihre pointierten Texte zwischen coolem Wissen und deutschem Provinzpopvokabular, in dem wie im Song „Saigon“ der DJ im Berghain schon mal ganz selbstverständlich zum Tanz aufruft. Wie auf Tante Ernas 60. Geburtstag. Bei den Kerzen blenden Dorfdisco und urbane Clubkultur ineinander über in ein hochinteressantes Sittengemälde unserer Zeit (In the Mix!).
Ja, all is here full of love. True Love.
Und wenn die Hormone ausrasten, dann heißt es am Ende von „Saigon“ plötzlich „Japan Indonesien”. Nicht weil es zwingend einen Sinn ergibt, sondern weil es so gut klingt.
Die Kerzen bedienen sich im Popsupermarkt mit großer Leichtigkeit und durchmischen die Zutaten wie es ihnen gefällt. Eben weil sie sich mit alldem so gut auskennen. Und wenn es sich kurz mal komisch in der Magengrube anfühlt, dann ist es mindestens ein Guilty Pleasure.
Also Fun, Fun, Fun und genau das, was coole Musique mit dem Haarbürsten-Mikro vor dem Schmink-Spiegel oder in der Toc-Toc-Gruppe mit den Friends immer schon war und sein sollte! Pop ist schließlich unser aller magischer wie mysteriöser Super-Ort, von dem niemand ausgeschlossen werden sollte. Everybody needs schließlich somebody: Bei den Kerzen ist Pop keine hyperironische Selbstvermarktungstechnik, sondern immer noch ein großes Versprechen.

 

The Screenshots

Man kann Dax Werner, Kurt Prödel und Susi Bumms nur gratulieren. Warum? Weil dem Trio mit seiner Band The Screenshots ein beeindruckendes Kunststück gelungen ist. Bis zu ihrem erstmaligen Erscheinen auf der Bildfläche vor gut zwei Jahren war die Sache im Grunde ja vollkommen klar. Mag die Welt auch jeden Tag aufs Neue über diese oder jene Uneinigkeit aus den Fugen geraten, herrschte doch – zumindest im Kosmos Pop – die stillschweigende Übereinkunft: Musik, die auf dem Zusammenspiel aus Gesang, Gitarre, Geklöppel und ein bisschen Bass im Unterbau basiert, ist durch. Die Beatles, Radiohead und U2 – nur noch Fußnoten der Pop-Geschichte, aus der Zeit gefallene Nischenmusik für Nostalgiker*Innen.
Aber dann waren da auf einmal The Screenshots und veröffentlichten mit den EPs „Ein starkes Team“ und „Übergriff“ sowie der anschließenden „Europa“-LP, die, man muss es so sagen, einfachste und gleichzeitig doch ehrlichste Rockmusik seit Jahren. Trotz Newcomerstatus marschierte das Trio mal eben so durch jedwedes Fachpresseerzeugnis sowie dessen Online-Outlet und das gesamte Feuilleton. „Diskurspop auf der Höhe der Zeit“, schrieb Die Zeit, „aufregendster deutschsprachiger Gitarrenrock der Stunde“ der Rolling Stone.
Durchaus bemerkenswert für eine Band, deren Mitglieder bis dahin weniger durch ihr musikalisches Talent als vielmehr in Form von drei anonymen Einzelavataren beim Kurznachrichtendienst Twitter in Erscheinung getreten waren, die ihre jeweilige Timeline auf ganz unterschiedlich geartete Weisen mit geistreichen bis genialen Pointen von bis zu 280 Zeichen Länge bespielten. Mit dem Song „Wir lieben uns und bauen uns ein Haus“ samt Video beendete die Band im Herbst 2019 schließlich das Rätselraten um ihre Identitäten und zeigte sich zum ersten Mal vor der Kamera.
„2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee“ ist nun das zweite Album dieser ganz besonderen Band. So schön und souverän sind die elf Stücke, die Dax Werner, Kurt Prödel und Susi Bumms für diese Platte zusammengetragen haben – und 2021 bringt die Band sie mit auf „Glaub an deine Träume“-Tour.

Ticketverkauf: VVK startet im Laufe des Septembers.

Veranstalter: Detmolder Stadthallen GmbH in Zusammenarbeit mit Hall & Echo Detmold

Samstag, 12. März 2022Beginn: 19:00 UhrEinlass: 18:00 Uhr